17.8.3

hausaufgaben gegoogelT?

nachdem ihr nun zeit hattet, euch auf al revés warm zu laufen, die augenlider zu stretchen und hoffentlich nachgeschaut habt, wer oder was guapi ist und wie man es findet, geht es heute bereits hochpolitisch weiter. die streber haben womöglich auch gleich lópez de micay und timbiquí gegoogelt, aber das kann ich nicht voraussetzen. gewöhnt euch schon mal dran, es wird immer wieder hausaufgaben in pazifikkunde geben, das ist unabkömmlich, ihr habt viel nachzuholen. und ich frage auch unangekündigt ab. wer dann keine zufriedenstellende antwort geben kann… ayyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyy mami! (pazifikanischer ausruf der freude, des entsetzens und der enttäuschung.)

guapI das ist guapi von seiner lichten seite, ein ort den es wirklich gibT

das coco – äh coca – imperiuM

vorher war es die sternwarte, jetzt ist es cococauca. aha, sagen die alleswisser, die alles wissen, nur nicht, dass sie im grunde keine ahnung haben. na klar, du arbeitest in der kokosfabrik! welche kokosfabrik? ja, kokosnüsse werden hier viel und gerne gegessen. die region könnte ein regelrechtes kokos-imperium sein, wenn man (synonym für staat) wollte. und gäbe es dieses, würden in guapi wohl alle froh sein. dann würde sich vielleicht auch endlich der anbau von kokospalmen rentieren und die gemeinschaften könnten den koka-anbau ganz freiweillig einstellen.

ogottogottogott, ja! sagen wir doch einfach wie es ist: hier bauen alle koka an, oder zumindest fast alle. wer es nicht tut, hat es bereits getan. alles andere lohnt sich einfach nicht, schon gar keine lebensmittel (den freihandelsabkommen sei dank), obwohl hier alle ständig essen müssen. arbeitsplätze gibt es auch keine, der einzige sichere arbeitsplatz ist meiner. wer dennoch skrupel hat, auf einer kokapflanzung zu arbeiten oder dealer zu werden und zu allem überfluss auch noch essen muss, zieht sich die gummistiefel an, nimmt die goldwaschschüssel und stellt sich in die nächste mine, um dort den ganzen tag im schlamm zu wühlen und vielleicht ein para nuggets mit nach hause zu bringen. reich wird dabei trotzdem keiner, also zumindest nicht die, die im schlamm stehen.

und wer dazu auch keine lust hat, dem bleibt nur die flucht nach vorn. die paar kröten zusammenkratzen und ab nach buenaventura. von da aus vielleicht nach cali oder direkt aufs nächste schiff, mal sehen, wo der wind uns hintreibt und das meer uns ausspukt, möglicherweise in hamburg?

barco buenaventurA containerschiff in buenaventura

von chontaduro und fischmenscheN

es gibt eine kolumbianisch-pazifikanische band, die befindet sich ganz oben in den top-ten der al revés-charts. sie nennt sich herencia de timbiquí (erbe aus timbiquí) und kommt woher? richtig. jedenfalls hat herencia de timbiquí ein schaurig-schönes lied, was den nagel ziemlich genau auf den kopf trifft und was al revés für euch radebrechend und vollkommen poesiefrei übersetzt hat.

und hier die codes, die ihr braucht, um es zu verstehen:

papa china = so ne essbare knolle

chontaduro = eine palmfrucht, schmeckt wie ne kreuzung zwischen kartoffel und nuss

yuca = maniok

pepa de pan = vergleichbar mit esskastanien, nur anders

guacuco = eine fischart

bazuco = koks

guarapo = fermentierter saft

fischmenschen = wasserleichen

herencia de timbiquí – koka für kokO

sie haben sich daran gemacht, den wald zu holzen, um ein neues produkt zu pfanzen

sie vergaßen papa china, chontaduro, yuca und pepa de pan und brachten leute von anderswo her, um uns zu beraten

und anstelle von kokos wird nun koka geerntet und anstelle von liebe lehrt man hass

anstelle von guacuco konsumiert man nun bazuco und anstelle von guarapo geben sie marihuana

und in folge dieser veränderungen gibt es in unserem paradies keinen frieden mehr

nun es gibt keine fischer mehr, nur noch fischmenschen, die tot in den mangroven schwimmen

mit der zunge draußen und abgeschnittenen fingern, weil er sagte, was er besser für sich behalten hätte

unkennbar, weil sie ihnen chemie überkippen, zur weiterverarbeitung

und in folge dieser veränderungen, gibt es in unserem paradies keinen frieden mehr

anstelle von chontaduro geben sie marihuana, anstelle von chontaduro, jamswurzel und brot

anstelle von chontaduro geben sie marihuana, weil jenseits dieser erde, jenseits der sonne, jenseits des meeres

anstelle von chontaduro geben sie marihuana, gebt mir eine haut wie die eure, damit ich nicht unvorsichtig werde

es ist die unbewusstheit der menschen, die nicht an die zukunft denken, sie begeben sich auf dunkle und traurige pfade

anstelle von chontaduro geben sie marihuana

coco/coca/coco, mir klingelt bald auch die coco. und jetzt haben wir immer noch nicht geklärt, was für ne art coco eigentlich in cococauca steckt. es wird ein nächstes mal geben...